Marie Deutschland
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:: Frau Trude

(Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm)

Sie hat ja so viel von Frau Trude gehört.
Einmal wird sie zu ihr hingeh’n.
Die Leute sagen, es sähe wunderlich bei ihr aus,
erzählen, es wären seltsame Dinge im Haus.

Sie ging zur Frau Trude und als sie ankam,
begann sie zu zittern, ihr wurd’ es ganz klamm .
Frau Trude fragt sie: „Warum bist du so bleich?“
„Ach, ich sah auf eurer Stiege einen schwarzen Mann!“

„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“
„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“

„Frau Trude, dann ging ich den langen Gang entlang.
Sah Finger am Boden liegen, mir wurde angst und bang!
Auf der Treppe musste ich über Totenköpfe steigen!
Und unten in der Halle tanzten Besen einen Reigen!“

„Mein Freund, der Köhler, stand auf der Stiege.
Skorzenerwurzeln sind keine Finger, meine Liebe!

Krautköpfe hat die Magd auf die Treppe hingelegt
und unten wird die Halle gerade sauber gefegt!“

„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“
„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“

Sie hat ja so viel von Frau Trude gehört.
Einmal wird sie zu ihr hingeh’n.
Die Leute sagen es sähe wunderlich bei ihr aus,
erzählen, es sei ’n so seltsame Dinge im Haus.

„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“
Frau Trude, Frau Trude ist ’ne hässliche Frau,
„Geh’ nicht hin, in ihr steckt der Teufel drin!“
treibt gottlose Dinge, stellt das Böse zur Schau.
Frau Trude, Frau Trude ist ’ne hässliche Frau,
treibt gottlose Dinge, stellt das Böse zur Schau.


:: Inkubus


So lieg’ ich mit dir unter nebligem Dach.
Auf den Lippen salziger Geschmack.
Trauer um dich hält die Erinnerung wach.
Du gingst vor mir in die Stille hinab.

Und die Tränen fließen.
Und die Tränen fließen.

So lieg’ ich mit dir unter nebligem Dach.
Bleiche Lippen ! Wie kalt ist deine Hand!
Trauer um dich hält die Erinnerung wach.
Albtraum verschwand, als dein Atem stillstand.

Hexenwahn ich bekam,
über mir Inkubus.
Wie im Wahn mich benahm
als ich sah Klauenfuß.
Hexenwahn ich bekam,
über mir Inkubus.
Schwarz mit Ruß seine Hand
und sein Kuss Schwefelgestank.

So lieg’ ich mit dir unter nebligem Dach.
Auf den Lippen salziger Geschmack.
Trauer um dich hält die Erinnerung wach.
Du gingst vor mir in die Stille hinab.

Hexenwahn ich bekam,
über mir Inkubus.
Wie im Wahn mich benahm
als ich sah Klauenfuß.
Hexenwahn ich bekam,
über mir Inkubus.
Und ich stach scharfen Dolch
in die Brust, Inkubus.


:: Der Mond I

(Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm)

Es machten sich vier auf den Weg,
schwarzen Nächten zu entflieh’n.
Bangen Gefühlen, finsteren Träumen
wollten sie sich allzeit entzieh’n.

Als die Sonne hinter den Bergen verschwand,
gelangten sie in ein anderes Reich.
Auf einem Eichbaum eine Kugel stand,
gab ein Licht, sanft und weich.

Sie standen still, starr vor Staunen.
Ein Fremder kam vorbei.
„Verzeih’n Sie, mein Herr, könnten sie uns sagen,
was dieses Ding für ein Licht wohl sei?“

„Das ist der Mond, der Dämonenvertreiber!
Das ist der Mond, der Freudenbereiter!“

Vorzeiten gab es ein Land, wo dunkel war die Nacht.
Niemals ging der Mond auf, kein Stern strahlte sacht.
Der Himmel – ein schwarzes Tuch – darüber gebreitet war.

Der Dämm’rung entstieg die Angst, finstere Träume
die Phantasie gebar.

Der Fremde verschwand, Neid kroch hoch,
hüllten ihn ein in schwarzes Laken.
Da sprach der eine: „Den Mond will ich holen!“
Und so legten sie den Mond in ihren Pferdewagen.

Sie brachten ihn glücklich in ihr Land.
Vergessen ward nächtliches Gejammer.
Auf der mächtigsten Eiche die Kugel stand,
ihr Licht drang in die kleinste Kammer.

Wälder und Wiesen in silbrigem Glanz,
da krochen aus Fels und gehemen Gängen
winzige Zwerge zu nächtlichem Tanz
bewegten ihre Glieder zu Choralgesängen:

„Das ist der Mond, der Dämonenvertreiber!
Das ist der Mond, der Freudenbereiter!“


:: Der Mond II

(Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm)

Schnitter Tod kam herbei;
glänzender Mond war ihm einerlei.

Und er schnitt es ab, ihr Leben.
Verwelkten Leibern war der Mond gegeben.
Trauernd legten sie das Licht mit ins Grab.
Dunkle Nacht sank auf das Land herab.

Schnitter Tod kam herbei;
glänzender Mond war ihm einerlei.

Tief in der stillen Unterwelt
die Finsternis war durch den Mond erhellt.
Tote erhoben sich aus traumlosem Schlaf,
wilde Panik Auferstandene traf.

In schwarzer Nacht, als Geister aufgewacht,
stiegen sie empor, Grauen den Verstand einfror.

Erdgeruch lag auf dem Land.
In Angst und Schrecken sich ein jeder wand.
Die Dunkelheit durchdrang lautes Wehklagen,
sich vom Himmels-Gott den Mond erbaten:

„Gib uns den Mond, den Dämonenvertreiber!
Gib uns den Mond, den Freudenbereiter!“

Himmels-Gott kam herab;
glänzenden Mond nahm er Dämonen ab.

Tief in der stillen Unterwelt
die Finsternis ward wieder hergestellt.
Ewige Dunkelheit die Geister traf,
Tote begaben sich in traumlosen Schlaf.

Himmels-Gott schwebte fort
hing den Mond an seinen Horizont.

Die Nacht erfüllt mit silbrigem Glanz
da krochen Zwerge aus geheimen Gängen;
eilten herbei zu festlichem Tanz,
sprangen freudig zu Choralgesängen:

„Das ist der Mond, der Dämonenvertreiber!
Das ist der Mond, der Freudenbereiter!“


:: Liebe


In Liebe ist mein Herz entflammt.
Geheimnis deine Hand nun fand.
Vertreibt die Scheu der einst verschloss’nen Gruft.
Odem der Liebe entsteigt der Luft.



:: Hexenzauber


Weit, weit so weit von mir
weit, weit so weit von hier
Auch wenn du liebst mein Herz verspürt,
wie es deine Gunst verliert!
Ihr, ihr Bild steht stets vor dir –
ihr, ihr Bild steht stets vor dir!

Weit, weit so weit von mir
Angst, dass ich dich verlier
Deine Gedanken sind bei ihr
Grausames Spiel treibst du mit mir!
Ihr, ihr Bild steht stets vor dir –
ihr, ihr Bild steht stets vor dir!

Belladonna, Katzenblut,
Rattenzahn und Eisenhut
schnell gemixt und in den Wein,
trinkt er ihn, dann ist er mein!

Liebeszauber in der Nacht
Liebesfeuer hat entfacht
So steht mir bei, ihr Höllenbrut,
dass nie erlöscht die Liebesglut!
Mein, mein Bild steht jetzt vor dir –
mein, mein Bild steht jetzt vor dir!

Belladonna, Katzenblut
Rattenzahn und Eisenhut
schnell gemixt und in den Wein,
trinkt er ihn, dann ist er mein!


:: Eigensinnig Kind

(Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm)

Es war einmal ein eigensinnig Kind,
das wollt’ nicht folgen.
Mami sagt: „Kind sei schön brav!“
Saß nie still, sprang herum
schon am frühen Morgen.
Mami sagt: „ Kind sei schön brav!“

Aß nie Spinat,
wollt’ seinen Teller nie leer essen.
Breichen schmeckte zu fad,
dagegen war ’s auf’s Eis versessen.
Im Dreck zu wühl’n
war sein größtes Vergnügen.
Am Schwänzchen zu spiel’n
brachte es in Entzücken.

Es war einmal...

Eigensinnig Kind tat nicht,
was die Mutter haben wollte.

Sie wusste nicht mehr,
wie sie es bestrafen sollte.
Da hatte Gott
kein Wohlgefallen mehr an ihm
und legte nach kurzem
das Kind auf ’s Totenbettchen hin.

Nun schlief es im Grab mit weicher Erde zugedeckt.
Kam’s Ärmchen hervor, hat es zum Licht hingestreckt!

Da ging die Mami selbst zum Grabe hin.
Sah ’s Ärmchen ragen.
Dass es in Ruhe ruhen konnte, tat sie paarmal
mit der Rute auf das Ärmchen schlagen.

Mami sagt, Mami sagt, Mami sagt:
„Kind, sei schön brav!“


:: Wechselbalg

(Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm)

Es schlich um Mitternacht eine finstre Gestalt
unbemerkt in’s Haus und nahm das Kind,
das seelig in der Wiege schlief, in seine Gewalt.
Trug es hinweg, lief in den Wald geschwind.

Sie legte in die Wiege einen Wechselbalg,
bevor sie verschwand – finstre Gestalt –
mit starren Augen, langen Ohren und riesigem Kopf.
Ihm ragten hervor zwei Hörner aus rotem Schopf!

aahh...

Die Mutter kurz nach Mitternacht fast zu Tod erschrak –
Dröhnen war im Haus, Höllengekreisch!
Der Ohnmacht nah als sie dann sah, was da in der Wiege lag!
Der Wechselbalg verlangte nach rohem Fleisch!

Finstre Gestalt hat um Mitternacht
in seine Gewalt ein Kind gebracht!

Angsterfüllt dann die Mutter ging hin zur Nachbarin .
Zauberin ihr gab folgenden Rat:
Schür ein, mach glühend heiß den Herd,
setz den Balg nebenhin .
In Eierschalen Wasser zum Kochen bring!
Tust du dies alles zur Mitternacht,
es lacht der Balg, bis er sich tot gelacht.
Tust du dies alles zur Mitternacht,
wird dir dein Kind, wird dir dein Kind gebracht.

Finstre Gestalt hat um Mitternacht
in seine Gewalt ein Kind gebracht!


:: Ziotek


Er heißt Ziotek
und ist weltbekannt.
Ziotek!
Und wohnt über’m Standesamt.
Hey Ziotek!
Bieg’ mein Rückgrad schnurgerad!
Morgen komm ich vorbei
und du machst mir’s, ok?

Ziotek...

Hör mal, Ziotek!
Deine Schlafanstalt,
Du, die ist ’ne Schau–
bei dir erst werd’ ich zur Frau.
Hey Ziotek!
Ein graziöser Supergang
ist das Beste, was ich heutzutage haben kann.

Ziotek . . . he-he-he-he-hey!
Ziotek . . . he-he-he-he-he-hey!

In riesigen Hallen
zwischen Marmorsäulen
da liegen die Leute auf Hammelkeulen.
Ein Prusten, ein Schnauben schwebt durch den Saal,
oh Ziotek, deine Orthopädie wird mir zur Qual!

Hör mal, Ziotek!
Deine Keulen hier
sind schon zu alt,
ja sie verwesen schon bald!
Hey, Ziotek!
Der Gestank macht mich ganz krank –
die dicke Frau neben mir
längst ins Jenseits versank.

Ziotek . . . he-he-he-hey!
Ziotek . . . he-he-he-he-hey!


:: Ave Maria


Ave Maria,
Gratia plena,
Dominus tecum.
Benedicta tu

In mulieribus,
Et benedictus
Fructus ventris tui
Jesus.

Sancta Maria,
Santa Maria,
Ora pro nobis
Nobis peccatoribus
Nunc et in hora
In hora mortis
nostrae.

Amen.


:: Edelsteine


Wie Smaragd die Augen.
Wie Opal dein Mund.
Wie Kobaltin deine Beine,
dein Busen edel wie Korund.
Perlmut-Weiß glänzt dein Gebiss im Sonnenlicht.
Die Wimpern goldene Fäden im Porzellangesicht.
Die Nase wie Rubin.
Wie Turmalin schimmert dein Kinn.

Das bist du, schönste aller Frau’n  –
Wehmut verweht dein Bild wie Meeresschaum

Wie Korall die Haare,
wie Zirkon das Gesäß.
Wie Antimon deine Hände,
dein Hals, ein Kristallgefäß!
Tränen gleichen Quarz und Diamant,
Granatrot leuchten die Nägel an der Hand.
Die Zunge wie Spinell.
Dein Speichel klar wie reinster Quell.
Das bist du, schönste aller Frau’n  –
Wehmut verweht dein Bild wie Meeresschaum
Wehmut...

Kalt wie Eis die Stimme.
Hart wie Stahl dein Blick.
Nach Schwefel riecht dein Atem.
Dein Lächeln nur ein Trick!
Hinter Kalkspat-Rippen schlägt ein steinern Herz.
Nie fühlt die Kalzedon-Haut Zärtlichkeit und Schmerz.
In den Adern fließt kein Blut,
deine Liebe ohne Glut!

Das bist du, schönste aller Frau’n –
Wehmut verweht dein Bild wie Meeresschaum
Wehmut...